Frank Stüve im Interview

War es zu Beginn schwierig, die Villa Harteneck in Berlin zu positionieren?
1999 war Berlin nicht gerade ein Hort des lässigen Luxus. Dass wir Blumen und Möbel internationaler Premiummarken mixen war verblüffend und hat phantastische Irritationen ausgelöst. Am Anfang waren wir ein geheimer Ort für Leute mit der Sehnsucht nach schönen Dingen.

Wie präsentiert sich die Villa Harteneck heute?
Fokussierter auf Qualität und langfristige Partner. Marken wie Promemoria oder Minotti präsentiere ich in großzügigen Ausstellungen und es haben sich wirkliche Partnerschaften heraus kristallisiert. Wir machen heute weniger Show aber dafür viel mehr Service.

Welches sind Ihrer Meinung nach wahre Werte?
Ganz klar: Tradition, Familie und Qualität

Sie bespielen die Villa Harteneck immer wieder neu, Sie inszenieren ganze Räume mit neuen Farben und Objekten. Sind das Trends, denen Sie dabei folgen oder geschieht das ganz intuitiv?
Ich kann nie sagen, dass es reine Trends sind, denen ich folge. Aber es ist auch nie nur Intuition. Ich fange auf, verstehe und gebe weiter. Ich kann ja auch nichts auffangen, was nicht schon vorhanden ist. Wenn ich reise, dann fange ich so vieles auf, auch in ganz kleinen, unbekannten Manufakturen. Stein, Glas, Holz, Textilien und Metall verführen mich immer wieder, ja ich glaube, ich kann wirklich von Verführung sprechen. Gedanklich bespiele ich die Materialien und schon ist es geschehen: Ein neues Stück ist in der Entstehung. Ich zeichne es in mein Skizzenbuch und arbeite dann mit Tischlern, Gürtlern oder Glasbetrieben an der Umsetzung. Aus dieser Leidenschaft hat sich übrigens die Frank Stüve Collection entwickelt. Bei Messen entscheidet mein Puls, wenn der hochgeht, heißt das: Order! Gerade inspiriert mich die grandiose TV-Soap Downtown Abbey, ein phantastisches Ausstattungsszenario.

Wie gehen Sie an die Selektion der Marken heran, nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie aus?
Design und Funktionalität, wobei ich am Ende des Tages immer mehr auf die Funktionalität achte. Ganz wichtig ist, dass es eine Preisgerechtigkeit gibt und ich hier keine Kompromisse eingehen möchte. Wir sind in Berlin und nicht in Dubai oder Russland.

Wer inspiriert Sie?
Immer wieder Kelly Wearstler, sie entwickelt Interiors, die Unterhaltungen möglich machen und nie steril und anonym sind. Sie ist im Grunde die Patricia Field des Interiors. Ich freue mich immer, wenn sie ein neues Hotel macht. Sie langweilt mich nie, was nicht gerade leicht ist.

Was unterscheidet die Villa Harteneck von anderen InteriorStores?
Also in den meisten InteriorStores ist es doch so unpersönlich und showroomartig. Bei uns runden Blumen und Accessoires den Full Service ab und die Möbel wirken gelebt, nicht so steril. Tische sind immer eingedeckt, die Betten sind frisch bezogen, Blumen stehen auf den Fenstersimsen, der Kamin brennt, so als ob gleich jemand nach Hause kommt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich nach 11 Jahren noch immer so gerne am Morgen hier ankomme. Ein anderer Grund könnte natürlich auch in der von uns beseelten neoklassizistischen Villa liegen, eigentlich ja kein typischer Ort für einen InteriorStore.

Welchen Kardinalsfehler begehen Menschen, die sich neu einrichten?
Dass Möbel nicht kommunikativ sind, dass Tische zu breit auseinander stehen oder man zu weit hinten sitzt. In Hoteleinrichtungen ist das oft ganz schlimm, da sitzt man wie auf einem Präsentierteller und hat überhaupt keine Privatssphäre. Viele Menschen können auch nicht mit Licht und Farben umgehen und so wirken die Räume oft ganz unnötig stumpf.

Sie machen ja immer wieder Ausstellungen, die zum Thema werden. Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Mit Piero Lissoni haben wir einmal eine legendäre Ausstellung in der Villa organisiert. Fünf Meter lange Sofas standen lässig neben Sesseln und großzügigen Chaiselongues, wir haben im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Vollen geschöpft. Think Big und dabei minimalistisch bleiben, das war die Essenz dieses Stils. Oder anders ausgedrückt: maximalistischer Minimalismus! Alle Räume wurden dafür leer geräumt, bei 600 qm können Sie sich bestimmt vorstellen, was das für ein Akt war. Die Ausstellung stand im Zeichen des Frosches und so haben wir die Villa mit den skurillsten Fröschen und Blumen dekoriert. Für Berlin war eine derartige Inszenierung von Möbeln wirklich neu.

Kunst und Design, wo ziehen Sie die Grenze?
Funktionalität ist die Grenze, ganz einfach. Wenn man etwas wirklich nicht benutzen kann, ich spreche hier nur für den Bereich Interiordesign, dann ist es Kunst.

Gibt es bei Ihnen auch Design Made in Berlin?
Leider noch nicht, obwohl ich oft überwältigt bin von einzelnen Tischlermanufakturen und dem Spirit des Berliner VintageDesigns. Coming Soon!

Was ist Ihr nächstes Projekt?
Ein Ferienhaus auf Sylt, da machen wir ein Fresh up und eine historische Villa in Franken, die komplett neu umgebaut werden soll. Wir übernehmen die gesamte Planung und Umsetzung. Ich liebe diese Herausforderungen und freue mich schon jetzt auf das Ergebnis.